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Die SBB setzt sich mit der Work Smart Initiative für mehr Flexibilität am Arbeitsplatz ein. Denn flexible Arbeitsformen tragen zu einer gleichmässigeren Auslastung bei und sorgen damit für mehr Platz in den Zügen. Passend zur „Work Smart Week“ erzählt SBB Service Scout Thomas Kupferschmid im Interview, was das Leben als digitaler Nomade sonst noch für Vorteile mit sich bringt.

Thomas Kupferschmied-Wickart, du bezeichnest dich auf deinem Xing-Profil als «markenarchitekt, designer & digital nomad». Wie muss man sich einen typischen Tag in deinem Nomadenleben vorstellen?
Grundsätzlich ist mein Leben nicht viel anders als jenes anderer Menschen: Ich habe ein Büro (in unserem Coworking Space), eine Wohnung (gut, ein kleines Studio) und ein GA. Der einzige Unterschied: Es gibt bei mir praktisch keinen typischen Tag und mein Arbeitsplatz ist mobil und befindet sich in der Cloud. Die einzige Konstante ist die Veränderung. Ich bewege mich viel von A nach B und dann nach C und wieder nach B, da meine Kunden in der ganzen Schweiz verteilt sind. Strukturen gibt es bei mir nur wenige, aber den Kaffee am Morgen, den brauche ich immer. Jeder Tag gestaltet sich dann selber, meistens plane ich am Abend zuvor den nächsten Tag. Wichtig ist, dass ich mein mobiles Büro immer mehr oder weniger vollständig dabei habe.

Als digitaler Nomade wird einem ja oft vorgeworfen, nicht „richtig zu arbeiten“. Musst du dich anderen gegenüber – solche die nicht flexibel arbeiten können – oft rechtfertigen?
Ja das höre ich ab und an (schmunzelt). Die meisten Vorurteile rühren daher, dass sich die Leute nicht vorstellen können, wie so ein Arbeitsalltag aussehen könnte, weil sie selber in starren Strukturen arbeiten. Ich behaupte sogar zu sagen, dass ich mehr arbeite, als Leute in einem klassischen Arbeitsverhältnis – halt einfach über den ganzen Tag verteilt. Da ich mein mobiles Büro immer dabei habe, kann ich fast überall arbeiten. Wenn es dabei einen guten Kaffee gibt, umso besser. Eine solide tägliche Planung sowie unterstützende Tools und Apps sind für mich essenziell. Aber rechtfertigen tue ich mich nie, sondern ich erkläre, wie es funktioniert. Die meisten sind dann positiv überrascht und es entsteht ein interessantes Gespräch. Das ist mein Ziel: gutes Networking.

Was denkst du sind die Vorteile deiner Arbeitsform gegenüber jemandem, der einen fixen Arbeitsplatz hat? Gibt es Nachteile?
Natürlich gibt es bei jeder Arbeitsform Vor- und Nachteile. Zum Beispiel habe ich selber auch noch einen fixen Arbeitsplatz in unserem Coworking Space Für gewisse Arbeiten bin ich auf einen grösseren Bildschirm angewiesen. Der steht bei mir auf dem Pult. Da ich viel unterwegs bin, sind gewisse Zeiten nicht so produktiv, diese muss ich dann am Abend oder am Wochenende nachholen. Das wiederum wird durch die hohe Flexibilität kompensiert. Der fixe Arbeitsplatz hat seine Vorteile, aber die Arbeitszeiten müssten vom Arbeitnehmer flexibler gestaltet werden können. Das würde die Motivation bestimmt steigern.Meine Arbeitsweise muss jedoch nicht für alle die richtige sein. Gewisse Menschen schätzen klare Strukturen und das ist auch gut so. Die braucht es auch.

Das tönt ja alles sehr dynamisch und modern, ist doch aber sicher anstrengend und irgendwie auch einsam.
Anstrengend ist nur das, was man nicht gerne macht. Ich liebe meine Job (#bestjobever) und somit empfinde ich den Alltag nicht als anstrengend. Natürlich braucht es wie bereits erwähnt eine gute Planung, aber so gestaltet sich mein Tag interessant und abwechslungsreich.

Und von Einsamkeit kann gar keine Rede sein. Mein fixer Arbeitsplatz befindet sich wie erwähnt in unserem Coworking Space.Dort habe ich meine Freunde und stosse immer wieder mal auf neue Coworker. Als XING Ambassador und Networker nehme ich auch oft an Events teil, treffe Menschen und tausche mich zu spannenden Themen aus. Wenn ich unterwegs bin, verabrede ich mich zum Kaffee oder Lunch mit Bekannten und Kunden. Das ist der Vorteil der flexiblen Arbeitsweise.

Du arbeitest auch oft im Zug. Was ist für dich wichtig, um effizient im Zug arbeiten zu können?
Wie gesagt, ist eine durchdachte Vorbereitung sehr wichtig. Dann braucht es natürlich auch eine gute Internetverbindung während der Zugfahrt. Obwohl ich als Designer nicht immer online sein muss, brauche ich das Internet zwischendurch für die Recherche. Wenn es einen Speisewagen hat, setze ich mich meistens da hinein. Dann habe ich einen Tisch für zum Arbeiten. Vor einiger Zeit, im Speisewagen von Zürich nach Bern, kam plötzlich ein anderer Fahrgast auf mich zu und fragte: «Hat es hier WLAN?» Ich musste ihn leider enttäuschen. Aber ich konnte ihm zeigen, wie man mit der Hotspot-Funktion online gehen kann. Dann fragte er: «Aber wo gibt’s da Strom?»

Auch auf diese Frage gab’s leider nur eine enttäuschende Antwort: «Kein Strom». Wir kamen dann ins Gespräch. Diesbezüglich hat die SBB noch sehr viel Aufholbedarf. Bei der Deutschen Bahn zum Beispiel hat es Internetverbindung im ICE, bequeme Arbeitsplätze und Strom an jedem Sitzplatz.

Du hast im letzten Jahr das Coworking Space BUREAU.D in Dietikon gegründet. Hat hier der Wunsch nach einer „Homebase“ bzw. einem Büro in wohnlicher Atmosphäre mit bekannten Gesichtern überhandgenommen?
Nein, im Gegenteil. Ich wusste genau, dass ich weiterhin viel unterwegs sein werde und dazu eignet sich ein Arbeitsplatz im Coworking Space bestens. Mit dem Coworking wollen wir anderen Einzelunternehmern und digitalen Arbeitern die Möglichkeit geben, jederzeit einen günstigen Arbeitsplatz zur Verfügung zu haben und sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können.

Auch ich schätze den Austausch mit meinen Kollegen oder neuen Coworkern, die bei uns arbeiten. Das habe ich schon gerne gemacht, bevor ichdas eigene Coworking gegründet habe. An verschiedenen Orten zu arbeiten und auf Menschen aller Art zu treffen, macht mir viel Spass.